Erläuterungen zu verwendeten Begriffen siehe pdf "Informationen rund um den Blower-Door-Test und die Luftdichtheit der Gebäudehülle".

 

Gründe für die Durchführung des Blower-Door-Tests

Wir führen Blower-Door-Tests / Luftdichtheitsprüfungen an Gebäuden aus unterschiedlichen Anlässen durch:

  • Nachweis der Luftdichtheit eines Gebäudes gemäß den Vorgaben
    • der Energieeinsparverordnung EnEV bzw. künftig des Gebäudeenergiegesetzes GEG,
    • der Förderrichtlinien der KfW für ein KfW-Effizienzhaus oder für die Förderung des Einbaus einer Lüftungsanlage in ein Bestandsgebäude,
    • der Passivhausrichtlinie oder
    • einer angestrebten BNB- oder DGNB-Zertifizierung.
  • Baubegleitende Luftdichtheitsprüfung zur Qualitätssicherung der luftdichten Gebäudehülle.
  • Luftdichtheitsprüfung vor Ablauf der Gewährleistungsfrist eines neu erbauten oder sanierten Gebäudes.

 

Energieeinsparverordnung EnEV 2009

Die Energieeinsparverordnung EnEV 2009 war gültig für Gebäude mit Bauantrag bis 30.4.2014. Diese Verordnung schreibt in §6 vor:
"Zu errichtende Gebäude sind so auszuführen, dass die wärmeübertragende Umfassungsfläche einschließlich der Fugen dauerhaft luftundurchlässig entsprechend den anerkannten Regeln der Technik abgedichtet ist. Die Fugendurchlässigkeit aussen liegender Fenster, Fenstertüren und Dachflächenfenster muss den Anforderungen nach Anlage 4 Nummer 1 genügen.  .... Wird die Dichtheit ... überprüft, kann der Nachweis der Luftdichtheit bei der ... [Berechnung des Jahresprimärenergiebedarfs] ... berücksichtigt werden, wenn die Anforderungen nach Anlage 4 Nummer 2 eingehalten sind."

In Anlage 4 Nummer 2 schreibt die Energieeinsparverordnung weiter folgendes vor:
"Wird bei Anwendung des § 6 Absatz 1 Satz 3 eine Überprüfung der Anforderungen nach § 6 Absatz 1 durchgeführt, darf der nach DIN EN 13829 : 2001-02 bei einer Druckdifferenz zwischen innen und außen von 50 Pa gemessene Volumenstrom bezogen auf das beheizte oder gekühlte Luftvolumen – bei Gebäuden:

  • ohne raumlufttechnische Anlagen n50 = 3,0 1/h und
  • mit raumlufttechnischen Anlagen n50 = 1,5 1/h nicht überschreiten."

Eine ventilatorgestützte Lüftung von fensterlosen Sanitärräumen gemäß DIN 18017-3 macht das Gebäude noch nicht automatisch zu einem "Gebäude mit raumlufttechnischen Anlagen", siehe 20. Staffel der EnEV Auslegungsfragen des DIBt, Auslegung XX-6. Wird die Abluftanlage für Bad / WC in der Energiebedarfsberechnung nach EnEV nicht berücksichtigt, ist der Grenzwert n50 ≤ 3,0 1/h anzusetzen. Das heißt das betreffende Gebäude ist dennoch als "ohne raumlufttechnische Anlage" zu behandeln.

 

Neuerungen zur Energieeinsparverordnung EnEV 2014

Die Energieeinsparverordnung EnEV 2014 gilt für Gebäude mit Bauantrag ab 1.5.2014.

Gegenüber der oben beschriebenen EnEV 2009 wurde Anlage 4 wie folgt überarbeitet:

  • Als Messverfahren wird nun Verfahren B nach DIN EN 13829: 2001-02 eindeutig vorgeschrieben.
  • Abweichend zu den in der EnEV 2009 beschriebenen Grenzwerten gilt für Wohngebäude, deren Jahres-Primärenergiebedarf nach DIN V 18599 ermittelt werden und deren Luftvolumen 1500 m³ übersteigt sowie für Nichtwohngebäude, deren Luftvolumen aller konditionierten Zonen nach DIN V 18599 insgesamt 1500 m³ übersteigt, daß der auf die Hüllfläche bezogene Volumenstrom folgende Werte nicht überschreiten darf:
    • bei Gebäuden ohne raumlufttechnische Anlagen q50 = 4,5 m/h und 
    • bei Gebäuden mit raumlufttechnischen Anlagen q50 = 2,5 m/h.

Die ab 1. Januar 2016 geltende verschärfte Stufe der EnEV enthält in Bezug auf die Anforderungen an die Luftdichtheit der Gebäudehülle keine Änderungen.

 

Gebäudeenergiegesetz GEG 2020

Zum 1. November 2020 trat das Gebäudenergiegesetz GEG in Kraft und löste die bisherige Energieeinsparverordnung EnEV ab.

In Bezug auf die Luftdichtheit von Gebäuden enthält das Gebäudeenergiegesetz auf den ersten Blick im Niveau keine Verschärfung. Es ergeben sich jedoch durch die Gesetzesnovelle Änderungen im Detail, die bereits bei der Gebäudeplanung berücksichtigt werden sollten, will man unangenehme Überraschungen bei Fertigstellung vermeiden. In einem pdf haben wir Ihnen die aus unserer Sicht wesentlichen Änderungen bezüglich der Luftdichtheit von Gebäuden und der Durchführung der Luftdichtheitsprüfung nach GEG zusammengestellt:

(330 kB)

Achtung: Das Inkrafttreten des GEG am 01.11.2020 bedeutet noch nicht, dass ab diesem Zeitpunkt alle Luftdichteitsprüfungen an Gebäuden nach GEG ausgeführt werden müssen! Denn laut den allgemeinen Übergangsvorschriften in § 111 ist das GEG noch nicht auf Gebäude anzuwenden, für die vor dem 1. November 2020:

  • der Bauantrag gestellt wurde,
  • ein Antrag auf Zustimmung eingereicht oder
  • die Bauanzeige erfolgte.

In diesen Fällen ist noch die bisherige EnEV anzuwenden.

Für uns bedeutet dies, dass an Gebäuden, die noch nach den Vorschriften der EnEV begonnen wurden und fertiggestellt werden, die Ausführung der Luftdichtheitsprüfungen auch noch nach den Vorgaben der EnEV erfolgen muss.

 

Wann ist die Luftdichtheitsprüfung von Gebäuden gesetzliche Pflicht ?

Zusammengefasst ist die Überprüfung der Luftdichtheit der Gebäudehülle und der entsprechende Nachweis für "normale Neubauten" gemäß der gültigen Energieeinsparverordnung - und künftig auch gemäß Gebäudeenergiegesetz GEG - nur zwingend vorgeschrieben wenn:

  • In der Energiebedarfsberechnung zur Ermittlung des Lüftungswärmeverlustes mit einer Luftwechselzahl von 0,6 1/h gerechnet wird oder
  • eine mechanische Lüftungsanlage in das Gebäude eingebaut wird und diese in der Energiebedarfsberechnung berücksichtigt wird. Denn dann wird in der Energiebedarfsberechnung automatisch mit der verringerten Luftwechselzahl von 0,6 1/h gerechnet.

Ohne den Nachweis der Luftdichtheit der Gebäudehülle mit Einhaltung des geltenden Grenzwertes muß der Lüftungswärmeverlust für die Energiebedarfsberechnung mit einer Luftwechselzahl von 0,7 1/h ermittelt werden. Dies bewirkt bei gleicher Lüftungsart um rund 17% höhere rechnerische Lüftungswärmeverluste - in manchen Fällen kann dies für den Nachweis nach EnEV oder GEG entscheidend sein!

Achtung: Der Einbau einer gesetzlich vorgeschriebenen Abluftanlage nach DIN 18017-3 in Sanitärräume ohne Außenfenster führt nicht automatisch zur Pflicht zur Luftdichtheitsprüfung und zum einzuhaltenden Grenzwert für Gebäude mit Lüftungsanlage. Entscheidend ist, ob die Abluftanlage nach DIN 18017-3 in der Energiebedarfsberechnung berücksichtigt wurde oder nicht.

Abweichend von der derzeitigen gesetzlichen Regelung möchten wir die Durchführung des Blower-Door-Tests prinzipiell für jeden Neubau als Maßnahme zur Qualitätssicherung dringend empfehlen, auch wenn kein Nachweis der Luftdichtheit der Gebäudehülle erforderlich ist.

 

 

Bedeutung des Blower-DoorTests bei Sanierungen

Prinzipiell sind energieeffiziente Gebäude nicht ohne eine hohe Dichtheit der Gebäudehülle machbar, da die Lüftungswärmeverluste durch Undichtheiten dies verhindern würden. Die Sanierung eines Bestandsgebäudes birgt sehr häufig auch knifflige Aufgaben hinsichtlich der Luftdichtheit der Gebäudehülle. Daher sollte auch bei einer Gebäudesanierung die Qualitätsüberprüfung der durchgeführten Arbeiten mit der Luftdichtheitsprüfung obligatorisch sein - wenn möglich in Form eines baubegleutenden Blower-Door-Tests, wenn die luftdichte Ebene der Gebäudehülle noch nachgearbeitet werden kann.

Wird eine mechanische Lüftungsanlage in ein Bestandsgebäude eingebaut und wird diese als Einzelmaßnahme von der KfW gefördert (kein KfW Effizienzhaus), ist die Durchführung der Luftdichtheitsprüfung Bestandteil der Förderbedingungen. Die Dichtheitsanforderung aufgrund der geförderten Lüftungsanlage als Einzelmaßnahme ist in diesem Fall gegenüber dem Neubau oder der Sanierung zum KfW Effizienzhaus etwas gelockert (n50 ≤ 3,0 1/h).

 

 

Neubau KfW Effizienzhaus 40 Plus / 40 / 55 / 70 und
Sanierung zum KfW Effizienzhaus 55 / 70 / 85 / 100 / 115 / Denkmal

Neubau KfW Effizienzhaus ab 01.03.2013 und ab 01.04.2016:

Bereits seit 01.03.2013 ist im Förderprogramm Energieeffizient Bauen "die Luftdichtheit der Gebäudehülle eines KfW Effizienzhauses messtechnisch zu bestimmen". D.h. die KfW verlangt im Neubau immer die Durchführung einer Luftdichtheitsprüfung - auch in Fällen, in denen keine aus der EnEV folgernde gesetzliche Pflicht dazu besteht (siehe oben) und demnach auch kein Grenzwert verbindlich einzuhalten ist.

Das KfW Effizienzhaus 70 lief im Neubau von Wohngebäuden zum 31.03.2016 aus. Die ab 01.04.2016 geltenden Förderstufen im Neubau von Wohngebäuden sind das KfW Effizienzhaus 40 Plus, KfW Effizienzhaus 40 und das KfW Effizienzhaus 55. Für Nichtwohngebäude gibt es weiterhin eine Förderstufe KfW Effizienzhaus 70.

Das ab 01.04.2016 für Wohngebäude ebenso neu eingeführte "KfW Effizienzhaus 55 nach Referenzwerten" mit vereinfachtem Nachweisverfahren enthält grundsätzlich eine mechanische Lüftungsanlage und den erforderlichen Nachweis der Luftdichtheit mit n50 ≤ 1,5 1/h.

Auch die anderen Förderstufen im Neubau mit dem regulären Nachweisverfahren werden zumeist nicht ohne mechanische Lüftungsanlagen realisierbar sein. In der Praxis wird daher für die meisten KfW Effizienzhäuser im Neubau nicht nur "die Luftdichtheit der Gebäudehülle messtechnisch zu bestimmen" sein. Vielmehr muß daher meist auch die Einhaltung des jeweils nach EnEV oder Passivhausrichtlinie geltenden Grenzwertes nachgewiesen werden.

Sanierung zum KfW Effizienzhaus seit 01.03.2013:

An die Sanierung eines Gebäudes zum KfW Effizienzhaus 55 stellt die KfW hinsichtlich der Luftdichtheit die gleichen Anforderungen wie an einen vergleichbaren Neubau.

Für alle anderen Förderstufen der Sanierung zum KfW Effizienzhaus erlaubt die KfW Sonderregelungen, siehe „Liste der Technischen FAQ“ der KfW, Kapitel 8.05. Wird eine Abluftanlage im Gebäude eingebaut, darf die Luftwechselzahl bei der Luftdichtheitsprüfung n50 = 3,0 1/h nicht überschreiten. Wird eine Zu- und Abluftanlage mit Wärmerückgewinnung angesetzt, ist im Fall der Energiebedarfsberechnung gemäß DIN V 4108-6 / DIN V 4701-10 bei Überschreitung des Grenzwertes n50 ≤ 1,5 1/h für Gebäude mit raumlufttechnischen Anlagen bei der Luftdichtheitsprüfung in Abhängigkeit der gemessenen Luftwechselzahl die Rückwärmzahl der Wärmerückgewinnung abzuwerten. Wird die Energiebedarfsberechnung nach DIN V 18599 vorgenommen, ist die gemessene Luftwechselzahl n50 direkt in die Berechnung einzusetzen, darf jedoch wiederum nicht über 3,0 1/h liegen.

Die Luftdichtheit der Gebäudehülle eines KfW-Effizienzhauses 70 muss mindestens messtechnisch bestimmt werden, analog zum Neubau. Die messtechnische Bestimmung der Luftdichtheit der Gebäudehülle kann dabei entweder nach EnEV für das fertig gestellte Gebäude oder während der Bauphase als Bestandteil der Qualitätssicherung erfolgen.

Für KfW-Effizienzhäuser 115, 100 und 85 wird die Durchführung einer Luftdichtheitsmessung empfohlen. Für das KfW-Effizienzhaus Denkmal gibt die KfW in dieser Hinsicht keine Empfehlung. Sicher ist jedoch auch an solchen Gebäuden mindestens die Durchführung einer baubegleitenden Luftdichtheitsprüfung sinnvoll.

Weitere Informationen zu KfW Effizienzhäusern finden Sie direkt bei der KfW.

 

Stichprobenhafte Luftdichtheitsprüfung

Nach EnEV ist es grundsätzlich nicht zulässig, das Teilergebnis einer abschnittsweisen Luftdichtheitsprüfung auf das Gesamtgebäude anzuwenden. Daher sind in Deutschland nach EnEV stichprobenhafte Luftdichtheitsprüfungen grundsätzlich nicht gestattet, mit einer einzigen Ausnahme:
Wenn keine Pflicht zum Nachweis der Luftdichtheit gemäß EnEV besteht aber für die Erfüllung der Vorgaben der KfW die Gebäudeluftdichtheit dennoch messtechnisch zu bestimmen ist, genügt bei großen Mehrfamilienhäusern die Luftdichtheitsprüfung von mindestens 25 % der Wohnungen. Dabei muss mindestens jeweils eine Wohnung im obersten Geschoss, eine in einem Regelgeschoss und eine im untersten Geschoss gemessen werden. Bevorzugt sind Wohnungen mit den größten Außenbauteilflächen zu messen und bei Dächern in Leichtbau (z. B. Holzdach) bevorzugt Wohnungen im Dachgeschoss.

Das Gebäudeenergiegesetz GEG erlaubt nun explizit eine stichprobenhafte Nachweisführung der Luftdichtheit eines Gebäudes, wenn es aus gleichartigen, nur von außen erschlossenen Nutzungseinheiten besteht. Dieser stichprobenhafte Nachweis der Luftdichtheit eines Gebäudes ist nach den Vorgaben der DIN EN ISO 9972: 2018-12 Anhang NB durchzuführen.

 

Eine Messreihe genügt zum Nachweis der Luftdichtheit (nach EnEV)

Das Messverfahren der DIN EN 13829 sieht die Aufnahme einer Messreihe aus mindestens 5 Punkten bei verschiedenen Druckdifferenzen zwischen innen und außen vor. Zu jeder Druckdifferenz wird der Leckageluftvolumenstrom ermittelt. Aus den einzelnen Messpunkten wird mit statistischen Methoden eine Leckagekurve errechnet. Der relevante Leckageluftstrom bei 50 Pa liegt dann auf dieser errechneten Leckagekurve.

Gemäß DIN EN 13829 sollten zwei Messreihen aufgenommen werden, eine bei Über- und eine bei Unterdruck. Für den Nachweis der Luftdichtheit, ist es jedoch auch zulässig, nur eine Messreihe bei Über- oder Unterdruck zu erstellen. Dies hat insbesondere Vorteile bei Mehrfamilienhäusern mit innenliegenden Sanitärräumen und daraus folgend vorhandenen Abluftventilatoren. Wird bei der Luftdichtheitsprüfung nur mit Unterdruck geprüft und nur eine Messreihe bei Unterdruck aufgenommen, kann statt der temporären Abdichtung der Abluftventilatoren die Funktion der integrierten Rückschlagklappen geprüft werden.

Die Aufnahme von Messreihen für Unterdruck und Überdruck hat den Vorteil, dass geprüft werden kann, ob Bauteile vorhanden sind, die bei einer Druckrichtung mehr Leckagen aufweisen als in entgegengesetzter Richtung. Ein gutes Beispiel hierfür sind aufeinander liegende aber versehentlich nicht verklebte Dampfbremsfolien, die zum Beispiel bei Unterdruck aneinander anliegen aber sich bei Überdruck voneinander abheben und dann zu einer höheren Leckage führen. Sind jedoch wie beispielsweise bei einem größeren Nichtwohngebäude ausschließlich massive Außenbauteile vorhanden, bringt die Aufnahme einer Messreihe für Überdruck zusätzlich zur Unterdruckmessreihe keine zusätzlichen Erkenntnisse.

 

Besondere Anforderungen an ein zertifiziertes Passivhaus

Das Passivhaus-Institut schreibt für zertifizierte Passivhäuser bei der Luftdichtheitsprüfung eine maximal zulässige Luftwechselzahl n50 ≤ 0,6 1/h vor. Diese hohe Luftdichtheit ist notwendig, damit ein Passivhaus überhaupt wie berechnet "funktionieren" kann. D.h. hier muss extrem auf die Luftdichtheit der Gebäudehülle geachtet werden. Achtung: Der Grenzwert n50 ≤ 0,6 1/h für die Luftdichtheit eines zertifizierten Passivhauses darf nicht mit der verminderten Luftwechselzahl n = 0,6 1/h in der Berechnung des Lüftungswärmeverlustes gemäß DIN V 4108-6 / DIN V 4701-10 in Verbindung gebracht werden!

Bei der Altbaumodernisierung im Standard "EnerPHit" ist eine maximale Luftwechselrate n50 ≤ 1,0 1/h zulässig. Für Gebäude, die den Passivhausstandard knapp verfehlen, jedoch noch die Bestimmungen des Standards "PHI-Energiesparhaus" einhalten, gilt ebenso der Grenzwert n50 ≤ 1,0 1/h.

Die aktuelle Version der „Kriterien für den Passivhaus-, EnerPHit- und PHI-Energiesparhaus-Standard“ vom 26.08.2016 schreibt zum Nachweis der Luftdichtheit die Aufnahme je einer Messreihe für Überdruck und Unterdruck vor sowie interessanterweise im Gegensatz zur EnEV die Durchführung der Luftdichtheitsprüfung nach DIN EN 13829 Verfahren A. Warum hier nicht wie im Geltungsbereich der EnEV das Verfahren B vorgegeben wird, ist nicht beschrieben. Im Hintergrund steht vermutlich der Gedanke, dass keine Öffnungen temporär abgedichtet werden sollen, die es an einem Passivhaus nicht geben sollte. Die Vorgabe des Verfahrens A ist jedoch im Kontext nicht logisch, da gleichzeitig empfohlen wird, die Prüfung zu einem Zeitpunkt durchzuführen, an dem die luftdichte Ebene noch zugänglich ist und Ausbesserungen vorgenommen werden können. D.h. es wird eine baubegleitende Luftdichtheitsprüfung zur Nachweisführung empfohlen. Bei solchen baubegleitenden Luftdichtheitsprüfungen sind jedoch meist zum Beispiel noch keine WCs und Waschbecken montiert weshalb die Abwasseranschlüsse temporär abgedichtet werden müssen. Das Verfahren A sieht jedoch solche temporären Abdichtungen nicht vor. In der Praxis muss also in Wirklichkeit das Verfahren B angewendet werden, bei dem solche absichtlichen Öffnungen in der Gebäudehülle abgedichtet werden dürfen.

Wir empfehlen dringend für Passivhäuser die Durchführung von 2 Luftdichtheitsprüfungen im Bauablauf:

  • Eine baubegleitende Prüfung und
  • eine Prüfung nach Fertigstellung des Gebäudes.

 

Luftdichtheitsprüfung der Gebäudehülle bei Baumängeln

Werden an einem Gebäude Mängel bezüglich der Luftdichtheit vermutet oder festgestellt, können diese mit Hilfe der Luftdichtheitsprüfung der Gebäudehülle untersucht, genau lokalisiert und dokumentiert werden. Werden die Mängel noch während der Gewährleistungsfrist bemerkt, können diese beim Vertragspartner noch gerügt werden.

Die Gewährleistungsfristen betragen bei Bauverträgen:

  • nach BGB 5 Jahre (Werkvertrag, §634 a Abs.1 Nr.2 i.V.m. Abs.2 BGB).
  • nach VOB/B 4 Jahre (§13 Abs.4 Nr.3 VOB/B).

Bauverträge mit Privatpersonen sind immmer Werkverträge nach BGB. Bauverträge nach VOB/B können nur mit der öffentlichen Hand, gewerblichen Bauherren, Subunternehmen usw. geschlossen werden.

Die Verjährungsfrist der Mängelansprüche beginnt jeweils mit der Abnahme des Gewerkes.

 

Wer darf Blower-Door-Tests an Gebäuden durchführen?

Das Baurecht obliegt in der Bundesrepublik Deutschland den einzelnen Bundesländern. Uns ist kein Bundesland bekannt, welches rechtlich den Personenkreis für die Durchführung der Luftdichtheitsprüfung von Gebäuden einschränkt. An sich darf also jeder messen.

Natürlich gehört aber zur korrekten Durchführung eines Blower-Door-Tests die angemessene Fachkunde und Erfahrung. Aus diesem Grund empfehlen wir in unserem Ausschreibungstext, den Blower-Door-Test von "einer / einem in einer deutschen Länderingenieurkammer eingetragenen Ingenieurin / Ingenieur" durchführen zu lassen.

 

Wann entsteht ein Bauschaden wegen Durchfeuchtung

Nicht jede Luftleckagestelle in der Gebäudehülle führt automatisch zu einem Bauschaden wegen Durchfeuchtung durch Kondensatbildung im Winter. Kommen jedoch ungünstige Umstände zusammen, also hohe Raumluftfeuchtigkeit, einen nennenswerte Luftleckagestelle und die passende hauptsächliche Durchströmungsrichtung des Bauteils, können auch einzelne Stellen unerwünschte Folgen haben. Die Zusammenhänge sind relativ komplex, mehr dazu daher in unserem pdf "Informationen rund um den Blower-Door-Test und die Luftdichtheit der Gebäudehülle".

 

Zeitpunkt der Luftdichtheitsmessung zum Nachweis im Bauablauf

Nach einer Interpretation der Energieeinsparverordnung (EnEV) durch die Fachkommission Bautechnik der Bauministerkonferenz ist der Nachweis der Dichtheit des Gebäudes im Zusammenhang mit seiner Fertigstellung zu führen, d.h. nach Beendigung aller die Luftdichtheitsebene tangierenden Arbeiten. Deshalb fordert auch die KfW in ihren technischen FAQ, die Messung zum Nachweis der Luftdichtheit nach Fertigstellung der Gebäudehülle durchzuführen.

Der Nachweis der Dichtheit in einer frühen Bauphase (baubegleitender Blower-Door-Test), in der z.B. die Dampfbremse noch zerstörungsfrei zugänglich ist, kann als Qualitätssicherung am Bau eine wertvolle Hilfe sein . Da allerdings nachfolgende Arbeiten die festgestellte Dichtheitsqualität beeinträchtigen können, kann dies in Hinblick auf die Anforderungen der EnEV keine hinreichende Prüfung sein. Die KfW erkennt eine solche Prüfung nicht als Nachweis an.

Wie aktuelle Rechtsprechungen zeigen, empfiehlt es sich jedoch auch, den Zeitpunkt des Blower-Door-Tests zum Nachweis der Luftdichtheit wenn möglich nicht zu spät zu legen, insbesondere wenn im Vorfeld kein baubegleitender Blower-Door-Test durchgeführt wurde. Werden gravierende Leckagen erst sehr spät erkannt, kann der Bauherr eventuell zum Beispiel auf den Kosten für nochmals durchzuführende Malerarbeiten sitzen bleiben, die bei früherer Ausführung des Blower-Door-Tests nicht entstanden wären. Siehe OLG Düsseldorf, Urteil vom 23.10.2015 - 22 U 57/15 und vorangegangen Landgericht Mönchengladbach, Urteil vom 02.03.2015 - 1 O 308/09.

Die optimale Anzahl der Blower-Door-Tests am Bauvorhaben beschreiben wir inunserem pdf-Dokument "Informationen rund um den Blower-Door-Test und die Luftdichtheit der Gebäudehülle".

Insbesondere bei einem Passivhaus sollten 2 Messungen während des Bauablaufs obligatorisch sein, um das hohe Ziel n50 ≤ 0,6 1/h sicher zu erreichen - wie oben beschrieben ein baubegleitender Blower-Door-Test in einer frühen Bauphase und ein Blower-Door-Test nach Fertigstellung der Gebäudehülle zum Nachweis der Luftdichtheit. Bisher von uns geprüfte Wohngebäude mit EnEV / KfW-Anforderungen errreichten in der Regel Luftwechselraten im Bereich von n50 = 0,8 ... 1,3 1/h. Sofern sorgfältig gearbeitet wurde und keine konstruktiven Fehler passierten, konnten die Grenzwerte nach EnEV n50 ≤ 1,5 1/h (mit Lüftungsanlage) bzw. n50 ≤ 3,0 1/h (ohne Lüftungsanlage) gewöhnlich gut eingehalten werden. Jedoch führen wir auch immer wieder baubegleitende Luftdichtheitsprüfungen durch, die aufgrund der hohen Anzahl vorgefundener Ausführungsfehler ein wahres Plädoyer für die generelle Durchführung auch eines baubegleitenden Blower-Door-Tests als Maßnahme der Qualitätssicherung sind!

Den für die baubegleitende Luftdichtheitsprüfung und die Luftdichtheitsprüfung zum Nachweis jeweils notwendigen Bauzustand beschreiben wir in unserer Checkliste zur Vorbereitung des Blower-Door-Tests (350 kB).