Konstruktive Tipps für die luftdichte Gebäudehülle

Wir möchten Ihnen nachfolgend gerne einige Tipps geben für die Planung und Realisierung einer luftdichten Gebäudehülle.

Ebenso kann unsere Auflistung häufiger / typischer Leckagen beim Blower-Door-Test hilfreiche Hinweise für Sie enthalten.

Luftdichte Baustoffe

Allgemeiner Grundsatz:

Die verwendeten Materialien müssen die bauüblichen Bewegungen aufnehmen können oder die Bewegungen sind konstruktiv zu berücksichtigen.

Als luftdicht in der Fläche gelten folgende Baustoffe:

  • Betonbauteile gefertigt nach DIN 1045-2
  • Putz
  • Dampfsperr- / Dampfbremsfolien
  • Gipsfaser- / Gipskartonplatten
  • Faserzementplatten
  • Bleche
  • Holzwerkstoffplatten (OSB, Spanplatten usw.)

Nur bedingt luftdicht in der Fläche sind:

  • Mauerwerk
  • Mantelsteine von Schornsteinen

Die Luftdichtheit wird bei diesen Baustoffen in der Regel erst durch den Innenputz oder eine Lage Spachtel hergestellt

Nicht luftdicht in der Fläche sind üblicherweise:

  • Poröse Weichfaserplatten / Holzwolleleichtbauplatten / Dämmplatten (z.B. Polystyrol EPS)
  • Trapezbleche im Bereich der Überlappungen
  • Nut-Feder-Schalungen

Fugen / Stöße / Durchdringungen:

Hierfür sind spezielle Klebebänder, Manschetten, Multifunktionsbänder und Dichtmassen erhältlich.

Ortschäume sind in der Regel nur bedingt in der Lage, Schwind- und Quellbewegungen sowie andere Bauteilverformungen aufzunehmen.

Wahl der luftdichten Ebene bei Komplettsanierung eines Gebäudes

Bei einer Komplettsanierung eines bestehenden Gebäudes mit Außenwanddämmung, Aufdachdämmung, Perimeterdämmung, neuen Fenstern und neuen Türen kann der bisherige Außenputz geschickt als luftdichte Ebene genutzt werden. Voraussetzungen dafür sind:

  • Wärmedurchgangswiderstand der Außenwand sowie der einer ggf. noch vorhandenen Dachdämmung gegenüber der neu aufgebrachten Dämmung unbedeutend
  • Außenputz intakt und durchgängig
  • neue Dämmschicht wird außen am gesamten Gebäude lückenlos und durchgängig aufgebracht vom Keller bis zum Dach
  • neuen Fenster und Türen werden in die neue Dämmebene gesetzt.

Vorteile: Die neue Dampfbremse des Dachs kann relativ einfach an die bisherige Außenseite der Außenwand angeklebt werden. Die bisherige Außenwand erfüllt praktisch nur noch statische Aufgaben und ist bezüglich der Wärmedämmung sozusagen vergleichbar mit einer Installationsebene im Holzbau. Die bei einer Gebäudesanierung sonst kritischen Luftleckagen über die Elektroinstallation, unverputzte Wandköpfe und Vormauerungen im Sanitärbereich können so in einem Zug gelöst werden.

Broschüren zu konstruktiven Details luftdichter Gebäude

Für Passivhausplaner

Die bei einem Passivhaus unbedingt einzuhaltende maximale Luftwechselzahl n50 von 0,6 1/h ist ein sehr hohes Ziel. Bereits bei der Planung eines Passivhauses sollte man daher die von uns unter häufige / typische Leckagestellen als "konstruktiv bedingt" beschriebenen Leckagequellen so weit wie möglich vermeiden!

10 Grundsätze auf dem Weg zum luftdichten Passivhaus:

  1. Genaue Planung der durchgängigen luftdichten Ebene.
  2. Passivhaus-zertifizierte Fenster und Außentüren, siehe Komponentendatenbank des Passivhaus Instituts.
  3. Passivhaus-geeigneter Schornstein, Montage ausschließlich mit vorverschlämmtem Mantelstein.
  4. Einfache Konstruktion der luftdichten Bauteilanschlüsse, dadurch einfache und sichere Arbeitsabläufe.
  5. Minimierung der Durchstoßungen der luftdichten Ebene, Holzbau nur mit Installationsebene.
  6. Massivbau: luftdichte Unterputzdosen, Innenputz an allen Wänden vor jeglicher Installation.
  7. Verschließen aller Leerrohre nach außen nach Einziehen der Kabel.
  8. Sorgfältige Ausführung aller Arbeiten an der luftdichten Gebäudehülle.
  9. Sorgfältige Bauleitung.
  10. Luftdichtheitsprüfung / Blower-Door-Test nach Schließen der luftdichten Gebäudehülle.