Zeitpunkt und Ablauf des Blower-Door-Tests

Zeitpunkt der Prüfung im Bauablauf

Blower Door Messaufbau, Aufnahme von innenNach einer Interpretation der Energieeinsparverordnung (EnEV) durch die Fachkommission Bautechnik der Bauministerkonferenz ist der Nachweis der Dichtheit des Gebäudes im Zusammenhang mit seiner Fertigstellung zu führen, d.h. nach Beendigung aller die Luftdichtheitsebene tangierenden Arbeiten. Deshalb fordert auch die KfW, die Messung zum Nachweis der Luftdichtheit nach Fertigstellung der Gebäudehülle durchzuführen.

Der Nachweis der Dichtheit in einer frühen Bauphase (baubegleitender Blower-Door-Test), in der z.B. die Dampfbremse noch zerstörungsfrei zugänglich ist, kann als Qualitätssicherung am Bau eine wertvolle Hilfe sein . Da allerdings nachfolgende Arbeiten die festgestellte Dichtheitsqualität beeinträchtigen können, kann dies in Hinblick auf die Anforderungen der EnEV keine hinreichende Prüfung sein. Die KfW erkennt eine solche Prüfung nicht als Nachweis an.

Wie aktuelle Rechtsprechungen zeigen, empfiehlt es sich jedoch auch, den Zeitpunkt des Blower-Door-Tests zum Nachweis der Luftdichtheit wenn möglich nicht zu spät zu legen, insbesondere wenn im Vorfeld kein baubegleitender Blower-Door-Test durchgeführt wurde. Werden gravierende Leckagen erst sehr spät erkannt, kann der Bauherr eventuell zum Beispiel auf den Kosten für nochmals durchzuführende Malerarbeiten sitzen bleiben, die bei früherer Ausführung des Blower-Door-Tests nicht entstanden wären. Siehe OLG Düsseldorf, Urteil vom 23.10.2015 - 22 U 57/15 und vorangegangen Landgericht Mönchengladbach, Urteil vom 02.03.2015 - 1 O 308/09.

Die optimale Anzahl der Blower-Door-Tests am Bauvorhaben beschreiben wir in "Wie oft sollte der Blower-Door-Test durchgeführt werden" im Glossar.

Insbesondere bei einem Passivhaus sollten 2 Messungen während des Bauablaufs obligatorisch sein, um das hohe Ziel n50 ≤ 0,6 1/h sicher zu erreichen - wie oben beschrieben ein baubegleitender Blower-Door-Test in einer frühen Bauphase und ein Blower-Door-Test nach Fertigstellung der Gebäudehülle zum Nachweis der Luftdichtheit. Bisher von uns geprüfte Wohngebäude mit EnEV / KfW-Anforderungen errreichten in der Regel Luftwechselraten im Bereich von n50 = 0,8 ... 1,3 1/h. Sofern sorgfältig gearbeitet wurde und keine konstruktiven Fehler passierten, konnten die Grenzwerte nach EnEV n50 ≤ 1,5 1/h (mit Lüftungsanlage) bzw. n50 ≤ 3,0 1/h (ohne Lüftungsanlage) gewöhnlich gut eingehalten werden. Jedoch führen wir auch immer wieder baubegleitende Luftdichtheitsprüfungen durch, die aufgrund der hohen Anzahl vorgefundener Ausführungsfehler ein wahres Plädoyer für die generelle Durchführung auch eines baubegleitenden Blower-Door-Tests als Maßnahme der Qualitätssicherung sind!

Den für die baubegleitende Luftdichtheitsprüfung und die Luftdichtheitsprüfung zum Nachweis jeweils notwendigen Bauzustand beschreiben wir in unserer Checkliste zur Vorbereitung des Blower-Door-Tests (98 kB).

 

 

Geeignete Wetterbedingungen für den Blower-Door-Test

Der Blower-Door-Test kann grundsätzlich das ganze Jahr über durchgeführt werden. Das Wetter führt nur in seltenen Fällen zu Einschränkungen:

 

Wind

Die Luftdichtheitsprüfung ist abhängig vom Wind. Übersteigt die Windstärke die Stufe 3 nach Beaufort (Windgeschwindigkeit > ca. 6 m/s bzw. 22 km/h), können je nach Lage des Gebäudes zu hohe natürliche Druckdifferenzen auftreten, die die Messung stark verfälschen oder gar die Aufnahme von Messpunkten unmöglich machen. Die Messung muß dann abgebrochen und auf einen anderen Termin mit weniger Wind verschoben werden. Ihnen entstehen dadurch keine Nachteile, dieses Risiko tragen wir! Solche ungünstigen Bedingungen treten jedoch zum Glück nur an sehr wenigen Tagen im Jahr auf. Die nachfolgende Grafik zeigt aktuelle Wetterwarnungen des deutschen Wetterdienstes bezüglich Wind / Sturm / Orkan. Diese Wetterwarnungen sind für uns kurz vor einem geplanten Blower-Door-Test eine gute Hilfe.

Deutscher Wetterdienst, aktuelle Warnkarte Wind


Außentemperatur

Von der Außentemperatur ist die Luftdichtheitsprüfung in den meisten Fällen praktisch nicht abhängig. Lediglich bei höhen Gebäuden und sehr tiefen Temperaturen kann es dazu kommen, daß die "natürliche Druckdifferenz" aufgrund des Auftriebs zu hoch wird. Dies ist nach DIN EN 13829 5.1.4 etwa der Fall, wenn das Produkt aus Gebäudehöhe und Temperaturdifferenz zwischen Innen und außen größer als 500 Km ist - also zum Beispiel ab einer Gebäudehöhe von ca. 17 m, d.h. ab etwa 5 Geschossen, bei einer Außentemperatur von -10 °C und einer Innentemperatur von + 20 °C (30 K Temperaturdifferenz, 30 K x 17m = 510 Km).

 

 

Ablauf des Blower-Door-Tests nach DIN EN 13829

Aufbau

Blower-Door von aussenMöglichst im untersten Geschoss des zu messenden Gebäudeteils wird in eine Türzarge / Türöffnung eine provisorische Abdichtung mit einem Ventilator mit geeichter Volumenstrommesseinrichtung eingesetzt.

Der Luftvolumenstrom, den der Ventilator bei einer bestimmten Druckerhöhung dann durch bestehende Leckagen aus dem Gebäude heraussaugen (Unterdruck im Gebäude) oder hineinblasen (Überdruck im Gebäude) kann, ergibt mit dem Innenvolumen des Gebäudes oder der Gebäudehüllfläche das Maß für die Dichtheit der Gebäudehülle.

Kleine gewollte Öffnungen nach außen dichten wir für den Blower-Door-Test temporär mit Folie, Kreppband oder Ballblasen ab. Details siehe unsere Checkliste zur Vorbereitung des Blower-Door-Tests (100 kB).


Leckageortung

Die Leckageortung gehört stets zu einer vernünftigen Messung dazu und ist nach DIN EN 13829 Vorschrift! Sie ist praktisch der wichtigste Teil des gesamten Blower-Door-Tests.

Gleich nach dem Aufbau wird der BlowerDoor-Ventilator gestartet und die Luftleistung so weit erhöht, bis sich eine gewünschte Druckdifferenz zwischen dem Gebäudeinneren und außen einstellt. In der Regel wird zur Leckageortung Unterdruck erzeugt, wenn möglich 50 Pa. Der Ventilator saugt dazu Luft aus dem Gebäude an und fördert diese nach außen. Die vom Ventilator geförderte Luft strömt an den (an jedem Gebäude in unterschiedlicher Höhe) vorhandenen Leckagestellen von außen ins Gebäude nach. Anders als bei einer Vakuumglocke mit einer Vakuumpumpe ist bei einem Gebäude beim Blower-Door-Test also immer ein Gleichgewicht zwischen der aus dem Gebäude herausgesaugten und der durch Leckagen nachströmenden Luft vorhanden.

Ist genügend Unterdruck vorhanden, beginnen wir mit dem Rundgang durch das Gebäude zur Leckageortung.

Ziele der Leckageortung

  • Klären ob alle absichtlichen Öffnungen nach aussen geschlossen wurden, damit überhaupt korrekt gemessen werden kann.
  • Erkennen von Leckagestellen - die jedes Gebäude hat - und Plausibilitätsprüfung des gemessenen Leckageluftvolumenstrom im Verhältnis zu den gefundenen Leckagestellen.
  • Auffinden großer Leckagestellen die eventuell zu einem Bauschaden füren können. Warum dies immens wichtig ist, erfahren Sie hier.
  • Bei Nichterreichen der erforderlichen Dichtheit Identifizierung der dafür verantwortlichen Leckagen, damit diese bauseits beseitigt werden können.

Hilfsmittel zur Leckageortung

Nebelmaschine im Betrieb

Die Leckageortung erfolgt meist innen unter Unterdruck entweder ganz einfach mit der Hand, unter Zuhilfenahme eines Handnebelgerätes, eines Strömungssensors (Anemometer) oder bei passender kalter Witterung mit einer Wärmebildkamera.

Zur Ortung von Leckagestellen eignet sich auch, vor allem im Dachbereich, das Gebäude unter Überdruck zu setzen, mit einer Nebelmaschine einzunebeln und von aussen zu schauen, wo Nebel aus dem Gebäude austritt.

Je nach Sachlage wählen wir eine geeignete Methode aus.

Bedeutende Leckagen dokumentieren wir im Prüfbericht, den Sie von uns erhalten.

Besonderheiten der Leckageortung bei der baubegleitenden Messung

Baubegleitender Blower-Door-Test Leckage mit MarkierungBeim baubegleitenden Blower-Door-Test markieren wir die gefundenen Leckagen (z.B. an der angrenzenden Wand mit Bleistift), damit diese bauseits gezielt nachgebessert werden können.

Sind kleinere Fehler vorhanden, z.B. Verklebungen der Dampfbremse, können diese auch gleich während der Luftdichtheitsprüfung korrigiert werden. Der große Vorteil liegt darin, dass die Luftdichtheit der Nachbesserung gleich überprüft werden kann.


Aufnahme der Messdaten, Auswertung und Bericht

Grafik Messprotokoll Blower-Door-TestZum Abschluss des Blower-Door-Tests nehmen wir die Messreihe(n) gemäß DIN EN 13829 auf. Hierbei werden verschiedene Differenzdrücke angefahren und zu jeder Druckstufe der Luftvolumenstrom gemessen. Vorgeschrieben ist die Aufnahme mindestens einer Messreihe. Wir nehmen daher mindestens eine Messreihe für Unterdruck auf. Sofern es die baulichen Gegebenheiten und die temporären Abdichtungen zulassen und es messtechnisch sinnvoll ist, nehmen wir zusätzlich eine Messreihe für Überdruck auf.

Die Messdaten werden anschließend mit statistischen Verfahren ausgewertet. Aus den Messreihen für Überdruck und Unterdruck wird ein Mittelwert gebildet. Es werden die Kennwerte Luftwechselzahl n50 oder Luftdurchlässigkeit q50 errechnet, die für die Einhaltung der entsprechenden Grenzwerte erforderlich sind.

Sie erhalten von uns nach ein paar Tagen einen ausführlichen Prüfbericht mit den Messdaten, den Auswertungen und den dokumentierten Leckagen. Hier ein Beispielbericht im pdf-Format (2,3 MB).

 

 

Dauer des Blower-Door-Tests vor Ort

Für die Luftdichtheitsprüfung eines Mehrfamilienhauses benötigen wir vor Ort mit temporären Abdichtungsmaßnahmen, Aufbau, Leckageortung, Messreihe für Unterdruck und Abbau ca. 3 Stunden.

Für die Prüfung größerer Gebäude benötigen wir ggf. etwas länger entsprechend dem größeren Umfang der nötigen Vorbereitungen und dem entsprechend längeren Durchgang durch das Gebäude zur Leckageortung.